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Ryo's Diary « Kapitel 04

Der Auftrag II

Früher Morgen
Mit der Ausnahme von gestern bin ich wohl sonst kein Frühaufsteher. Entweder war es das kochende Blut in meinen Adern oder die harten Kanten des Bordsteins, die mich mit den ersten wärmenden Sonnenstrahlen erwachen ließen.

Vormittag
Nun bin ich ausreichend vorbereitet um mein Glück an dem Unhold zu versuchen. Die Rüstung ist angelegt, das Schwert geschärft und der Bauch halb und bereit für die Schlacht gefüllt. Ich weiß nicht genau warum, aber ich spüre die bekannte Routine vor dem Kampf wie der Bäcker, der mit geschlossenen Augen die richtige Menge Salz in den Teig für seine Brote streut. Wer bin ich? Was war ich?
Ich werde nun noch für eine Sekunde meine Augen schließen und dabei das alte Bastardschwert über mein Handgelenk kreisen lassen, um es zu einem Teil meines rechten Arms werden zu lassen.

Mittag - Kathedralenkeller
Ich spüre den Feind ganz nahe, ich kann förmlich die Kälte seines widerlichen Atems auf meiner Haut spüren. Ich rieche seine wilde, hemmungslose Gewalt, die ihn so gefährlich machen soll und ich weiß, dass er mich bereits erwartet.
Langsam glaube ich wirklich an die Märchen des Wirtes ... und ich sollte besser dem Buch weniger Aufmerksamkeit schenken, als meinem bevorstehendem Feind.

Unterstes Kellergeschoss
Da stand er nun direkt vor mir. Ein Riese mit einer Dreimannsgestalt und geschwungenen Hörnern am hässlichen Schädel. Erst konnte ich es nicht fassen - dann aber roch ich noch stärker seinen fauligen Odem und ich war mir sofort im Klaren, dass dieses Untier echt sein musste.
Er schaute durch mich hindurch. Als wollte er mir sagen, dass ich nicht ansatzweise ein Gegner für ihn gewesen sei
- doch ich blieb und atmete noch immer seltsam ruhig. Dann schloss ich kurz die Augen, umfasste den Griff meines Schwertes fester, schaute direkt durch meinen Feind hindurch und holte weit aus. Plötzlich erschienen wieder die roten Blitze vor meinen Augen. Ich spürte einen heftigen Windzug um meinen Körper herum und ein mörderischer Lärm raste durch meine Ohren.

Absolute Stille folgte als das Tosen verhallt war ... Nur ein leises Rieseln von der Decke war zu hören. Als sich meine Augen wieder öffneten, sah ich, dass die Decke des Kellers eingestürzt war, die Wände teilweise in sich zusammengefallen waren und in einem kraterähnlichen Loch in der hinteren Wand, Massen von Blut zu Boden rannen.
Fleisch, Knochen und Geweih meines Feindes sind im gesamten Gewölbe verstreut - er ist eindeutig besiegt. Und ich habe nicht die leiseste Ahnung wie.

Abend - Gasthaus
Die Bewohner feiern mich und meinen Sieg über die Kreatur. Ich weiß, dass ich sie besiegt habe, nur weiß ich leider nicht wie. Und so versuche ich nun jedem der Fragenden, möglichst die selbe Geschichte zu erzählen, um nicht doch noch am Ende mit leeren Taschen und einem schlechten Ruf vor die Tore der Stadt geworfen zu werden.

In der Schmiede
Da mein Schwert wohl verloren gegangen ist und ich ungern ohne Waffe durch die nächsten Ländereien wandern will, lasse ich mir von meinem schwerverdienten Gold ein hübsches neues Bastardschwert schmieden, lasse dabei gleich eines der Dämonenhörner zu seinem Griff werden und nenne es Damiaz, das Dämonenschwert.

Später Abend
Der Tag war anstrengend. Oder vielmehr war es die Feier, die mich nun müde macht und die wohl am morgigen Tage meinen Schädel noch viel lauter Brummen lassen wird.
Es scheint nicht das erste Mal zu sein, dass ich volltrunken bin. Dieses komische Gefühl in Kopf und Bauch und die plötzliche Verdoppelung der Menschenmassen um mich herum scheinen mir sehr vertraut zu sein ...

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