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Ryo's Diary « Kapitel 29

Gleiches Schicksal

Nacht
Ich versuchte mich auf alles vorzubereiten, was nun durch die erzürnte Cyrall auf mich zukommen konnte, doch etwas in mir lähmte mich. Ich konnte Cyrall nicht in die Augen sehen. Auch wenn sie scheinbar die ganze Zeit über mein Feind war und jegliche Zuneigung nur vorgespielt hatte, so war sie doch eine schwere Zeit lang meine Gefährtin und Kameradin - wenn nicht sogar mehr. Ich versuchte mir nichts von ihr anmerken zu lassen und ließ mein Haupt mit geschlossenen Augen gesenkt um ihrem hasserfüllten Blick zu entrinnen.

Ich brachte nur ein leises und wohl verzweifeltes "warum?" hervor und Cyrall blieb mit aufgerissenen Augen abrupt stehen und fragte mich, was mir einfiele sie nach einer Antwort zu fragen. Sie brach beinahe wieder in Tränen aus und nannte mich dieses Mal unüberhörbar einen Dieb und Mörder. Ich öffnete die Augen und sah sie fragend an. Wieso nannte sie mich Dieb, wo ich doch meiner Freiheit beraubt worden war? Langsam schob sie den Dolch Gyrunns wieder unter eine der Stofflagen, stemmte beide Hände mit einem noch von Zorn verzerrten Gesicht in die Hüften und begann mich aufzuklären.

Sie schrie mich an, dass ich ihre Fähigkeit geraubt hätte und ich schaute noch verdutzter. Welche Fähigkeit hätte ich ihr stehlen können? Und wie? Sie erwähnte ihre flammenden Schlangen, dass Gyrunn sehr anfällig für Licht und Feuer wäre und dass es hinterhältig sei ihre Fähigkeiten zu stehlen um einen mächtigen Krieger wie Gyrunn durch seinen einzigen Schwachpunkt niederzustrecken. Ich würde das normalerweise gut durchdacht nennen, aber in diesem Fall verstand ich nichts mehr und ich brachte auch kein Wort der Rechtfertigung hervor. Cyrall brach wieder zusammen. Sie war zu niedergeschlagen um mich angreifen zu können - das spürte sie nun und die Tränen flossen nur so über ihr zartes Gesicht.

Langsam verstand ich nun, was sie mit ihren Anschuldigungen meinte ...
Irgendwie musste ich es vollbracht haben, wie sie, Schlangen aus Feuer herbeizurufen. Nur so ließen sich die enorme Hitze und der rasche Tod Gyrunns erklären. Auch wenn ich nicht weiß wie und warum. Cyralls Vorwürfe waren teils berechtigt ... Ich hatte ihre Fähigkeit irgendwie erlernen können und habe damit ihren einzigen Freund getötet. Doch war es Mord? Ist es Mord wenn man sein eigenes Leben retten will und dadurch den Freund eines anderen töten muss? Ich erhob mit einem Mal meine Stimme und fragte sie genau dies. Cyrall hob leicht ihren Blick zu mir und schaute erst mich, dann Gyrunns Leiche mit nassen, rot glänzenden Augen an. Dann brach sie wieder zusammen und wimmerte leise Gyrunns Namen. Wieder waren mein Feind und ich in der selben Situation. Ich verlor erst meine Erinnerungen, dann meine Freiheit - Cyrall verlor erst ihre Freiheit durch das magische Wesen und jetzt bleiben ihr an Gyrunn nur noch Erinnerungen ...

Ich legte Damiaz beiseite und ging langsam auf sie zu. Sie war nun keine Gefahr mehr für mich. Ich setzte mich nah neben sie und als sie meine Nähe bemerkte, fiel sie mir um den Hals und schluchzte noch lauter. Cyrall ... dass das alles so enden musste ...

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